Motto des Monats September

Motto des Monats September

Ohne Gegensätze und die Auseinandersetzung mit Ihnen, ist eine Weiterentwicklung nicht möglich.“

Laotse
(6. Jahrhundert v. Chr.), chinesischer Philosoph

Wie stellst Du Dir das Paradies vor? Kinder würden wohl antworten: keine Lehrer in der Schule, keine Hausaufgaben und ein Raum voller Süßigkeiten. Der ein oder andere Erwachsene würde vielleicht sagen: Ein Paradies wäre für mich, wenn es Frieden und Gerechtigkeit gäbe und sich alle gut miteinander verstehen. Es gebe die schlechten Eigenschaften, die ein Mensch so haben kann, nicht mehr. Neid, Missgunst, Eifersucht, Raffgier wären nicht vorhanden. Alles wäre umsonst und Krankheiten gäbe es auch keine. Eine kleine Insel, wo es immer warm ist und nicht regnet, wo die Früchte vom Baum fallen.

Aber in solch einem paradiesischen Zustand ist Weiterentwicklung nicht möglich. Alle sind zunächst glücklich, aber die Entwicklung stagniert und dreht sich schließlich um. Eigentlich wissen wir das alle, aber ist uns auch klar, warum das so ist? Was fehlt in diesem „Seins-Zustand“, den wir als paradiesisch bezeichnen und der so überaus erstrebenswert erscheint?

Was macht das sagenhafte Schlaraffenland aus tatkräftigen, arbeitsamen Menschen? Im Paradies sind die Menschen von einer unheimlichen Last befreit. Die unheimliche Last aber, das ist ihr konstruktives Selbst, das ist ihre Eigenverantwortung, ihre Energie, ihre Schaffenskraft, ihr Mitgefühl.

Im Paradies degenerieren früher oder später alle Menschen zu dümmliche Kreaturen, die sich vergnügt den Bauch vollschlagen. Zunächst sind sie noch glücklich, aber es ist schnell keine Entwicklung mehr zu beobachten. Die Menschen geben sich keine Mühe mehr im Miteinander. Alles Wichtige wird vernachlässigt. Sie vergessen, was wahre Werte sind. Dieser „paradiesische Zustand“ ist ein vernichtender Endzustand. Das destruktive Selbst gewinnt früher oder später die Oberhand. Das Leben, wie wir es kennen und lieben, hört so langsam und allmählich auf.

Mäßiges Leid ist für den so leicht erschlaffenden Menschen der beste Wecker zum Guten, denn der Mensch scheut den Schmerz noch mehr, als er die Lust sucht.“

Jürgen Bona Meyer  (1827 – 1897), dt. philosoph. Schriftsteller.

Im Paradies gibt es kein Spannungsfeld, in dem man sich reibt, um sich von hier nach dort bewegen zu können. Der teuerste Sportwagen bewegt sich auf glattem Eis, ohne Reibungsfläche, keinen Millimeter fort.

Jeder kennt das duale Prinzip von Yin und Yang. Das Yin stellt die Weichheit, die Nachgiebigkeit, die Passivität, das Weibliche, das Prinzip des Empfangens, Ruhe, Nacht, Erde, Dunkelheit, Kälte und das Negative dar. Das Yang ist das Ergänzende und das Gegenteil zugleich: Die Härte, die Festigkeit, die Aktivität, das Prinzip des Gebens, das Positive, die Bewegung, Tag, Himmel, Licht, Hitze und das Männliche.

Denken wir an den Sportwagen auf dem Eis zurück: An den Reibungsflächen werden polare Eigenschaften besonders deutlich. Erst die Unterschiede, die Probleme, die Widerstände ermöglichen das Vorwärtskommen. Die Reibung kann es ebenso verhindern. Ob wir eine Reibungsfläche als Freund im Sinne von „Hilfsmittel“ oder als Feind im Sinne von „Hindernis“ betrachtet hängt von uns ab. Was dem einen noch als Antrieb dient, führt den anderen zur Hoffnungslosigkeit. Aber selbst in der größten Angst befindet sich immer ein Funken Hoffnunge. Genauso, wie im Moment des größten Mutes ein Quäntchen Zweifel mitschwingt.

Der kleine Kreis im Yin und Yang in der jeweils anderen Farbe deutet an, dass sich innerhalb des Yin auch ein gewisses Maß an Yang befindet und umgekehrt. Yin und Yang sind zwar gegengerichtete Bewegungen, die sich aber nicht aufheben, sondern ständig gegenseitig antreiben und beeinflussen. So endet der Tag in der Nacht und die Nacht geht in den Tag über. Die Erfüllung des einen wird beständig zur Voraussetzung des anderen.

Die Reibungsfläche ist die Grenze zwischen Yin und Yang. Sie ist im Ganzen neutral. Sie stellen den Widerstand zur Verfügung, der gezieltes Vorwärtskommen möglich macht.

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